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Fussball mit schnellen Händen

Montag, 23. Mai 2016

Ein Töggelikasten ist nicht einfach ein Töggelikasten. Schon gar nicht in Arbon, wo am Wochenende die Schweizer Meisterschaften im Tischfussball ausgetragen wurden – eine schweisstreibende Angelegenheit. CHRISTOF LAMPART

 

ARBON. Schon draussen, vor dem Eingang zur Säntisturnhalle, war selbst für Passanten klar, was an diesem Wochenende hier gespielt wird, standen doch grosse, stilisierte Papp-Tischkicker vor dem Eingang Spalier. Dort, wo sich die Töggelikasten-Virtuosen von ihren zahlreichen und intensiven Einsätzen an der Sonne von ihrem schweisstreibenden Tun in der Halle erholen. Tatsächlich schlägt einem beim Betreten der Halle jener «Duft» entgegen, der entsteht, wenn sich über Stunden hinweg viele Leute auf beengten Raum sportlich betätigen. Und zwar praktisch nonstop. Denn selten ist einer der vielen Tische leer. Immer wieder finden sich Leute, die ihre eigenen Schweissbänder um die Griffe wickeln. Die Luft mag zwar adrenalin- und schweissgesättigt sein, doch die klebrige Hinterlassenschaft des Vorspielers will doch niemand an seinen Händen kleben wissen.

Eine Stunde für eine Partie

Um sich für eine Schweizer Meisterschaft anmelden zu können, muss man zuvor eine Mindestzahl an Turnieren in der laufenden Saison gespielt haben. Somit wird zum einen – auch in der Kategorie Neuling – ein gewisses Mindestkönnen vorausgesetzt und zum anderen der Anlass für die lupenreinen Amateure plan- und bezahlbar.

Nichtsdestotrotz haben sich 113 Spielerinnen und Spieler aus der ganzen Schweiz für diesen zweitägigen Event eingeschrieben, den einige begeisterte Tischfussball-Spieler wie Michael Sätteli nach Arbon gebracht haben. «Es wurde ein Turnierorganisator gesucht; da haben wir uns gemeldet», erklärt Sätteli lapidar, derweil er seine Griffe für das nächste Duell abklebt.

Tatsächlich scheinen sich viele hier in Arbon wohl zu fühlen. «Die Anreise hat sich gelohnt. Das Wetter ist gut, die Spiele geil und das Essen gut», bringt es ein Spieler des TFC Simmental zwischen erfolgreichem Torschuss und Balleinwurf auf den Punkt. Eine gute Verpflegung und Ruhemöglichkeiten tun auch not – denn eine einzelne Partie auf Wettkampfniveau kann schon mal über fünf Sätze gehen und eine Spieldauer von über einer Stunde aufweisen. «Das spürt man dann auf jeden Fall in den Knochen», so Sätteli.

Nati-Trainer in Doppelfunktion

Weniger weit anreisen als mancher Spitzencrack musste da der Schweizer Nationaltrainer der Herren und Junioren, der St. Galler Patric Kaiser, der gerade ein Duell mehrerer seiner Nati-Helden beobachtet. «Ich habe meine Spieler schon im Kopf, doch ist es Ehrensache, dass man sich hier blicken lässt und auch sich einen Überblick über den Formstand der einzelnen Spieler verschafft.» Doch nicht nur das: Der nationale Chefcoach greift an diesem Wochenende selber nach den Griffen, die für so manchen hier das halbe Leben bedeuten. Er mischt «sechs- oder siebenmal im Jahr» auf der Pro-Stufe mit und vertritt dabei die Farben des Tablesoccer Switzerland aus Goldach.