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Mann zu zwei Jahren Haft verurteilt

Samstag, 8. Februar 2014

Sein kriminelles Tun reichte vom gewerbsmässigen Diebstahl bis hin zur Körperverletzung. Dafür wurde ein 34jähriger Mazedonier nun vom Kreisgericht Wil zu zwei Jahren Haft, eines davon bedingt, verurteilt.

CHRISTOF LAMPART

 FLAWIL. «Ich stehe dazu, dass ich gemacht habe und dafür bestraft gehöre», betonte der in Bischofszell aufgewachsene Vater dreier Kinder in seinem Schlusswort. Er würde sofort für zehn Jahre ins Gefängnis gehen, wenn man es ihm dafür ermöglichen würde, «13 Stunden am Tag zu arbeiten, um die Schulden abzuzahlen», erklärte er pathetisch und in perfektem Schweizerdeutsch vor den Schranken des Kreisgerichts Wil in Flawil.

Von Spielsucht getrieben

Am Anfang des Übels stand die Spielsucht, die den Mann zuerst die Lehrstelle als Informatiker, dann die familiären Beziehungen, viel Geld und schliesslich die Aufenthaltsgenehmigung in der Schweiz und zwei Ehen kostete. Heute steht der Mazedonier, der einst monatlich 7400 Franken verdiente, vor einem Scherbenhaufen, dessen unrühmliche «Spitze» jene kriminellen Taten sind, die nun vor Gericht verhandelt wurden.

Lange Liste mit Verfehlungen

Tatsächlich ist die Zahl der Vergehen, die er im Zeitraum Ende 2012/anfangs 2013 in den Kantonen St. Gallen und Thurgau beging – und von ihm auch nicht bestritten wurden – «beachtlich»: Unrechtmässige Aneignung, gewerbsmässiger Diebstahl, mehrfache Sachbeschädigung, mehrfacher Hausfriedensbruch, teilweise versuchter mehrfacher Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage, teilweise versuchte einfache Körperverletzung, mehrfache illegale Einreise und mehrfacher illegaler Aufenthalt, grobe Verkehrsregelverletzung, pflichtwidriges Verhalten bei Unfall, einfache Verkehrsregelverletzung, widerrechtliches Einführen, Tragen und Besitzen einer Waffe.

Zwei Jahre gefordert

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, davon eines bedingt bei fünf Jahren Probezeit. Der Verteidiger beantragte eine maximale Haftstrafe von zehn Monaten und somit de facto die sofortige Freilassung, da sein Mandant bereits zehn Monate in Untersuchungshaft und im vorzeitigen Strafvollzug verbracht habe.

Hohe Kosten aufgebürdet

Das Gericht folgte weitestgehend der Anklage, ging jedoch nicht auf die unrechtmässige Aneignung ein und sprach den Beschuldigten von der illegalen Einreise und des illegalen Aufenthalts frei. Es reduzierte die Probezeit auf vier Jahre, hielt jedoch an den zwei Jahren Haft, davon eines bedingt, fest. Die zehn bereits abgesessenen Monate werden angerechnet. Auch muss der Verurteilte für 250 Franken Busse (oder drei Tage Haft) sowie Verfahrenskosten von 41 000 Franken geradestehen. Insgesamt hiess das Gericht zivile Forderungen von 15 500 Franken gut. Die restlichen Forderungen von den durch Einbrüche geschädigten Familien, Geschäften und Schulen wurden auf den Zivilweg verwiesen.

Gegen das System aufgelehnt

Doch was hatte den einst gut integrierten Mann auf die schiefe Bahn gebracht? Wie sein Verteidiger erläuterte, habe sein Mandant eine glückliche Kindheit ohne materielle Sorgen erlebt. Der Vater habe sich beruflich emporgearbeitet und auch der Sohn war in der Schule gut. Probleme gab es erst, als er sich gegen das autoritäre System der Grossfamilie auflehnte. Er und seine Frau verliessen diese im Streit. Der Sohn wollte dem Vater zeigen, dass er es auch ohne ihn (schnell) zu Geld bringen könne. Ein Weg dazu sollte das Glücksspiel sein. Doch stattdessen häufte er Schulden an, bezahlte keine Rechnungen mehr, wurde betrieben, beging weitere kleinere Gaunereien, die sich jedoch summierten, und verlor am Ende somit seine Aufenthaltsgenehmigung.

Ende November 2012 reiste er deshalb aus der Schweiz aus, um in Deutschland mit seiner deutschen Frau ein neues Leben anzufangen. Doch seine in der Schweiz begangenen kriminellen Taten verunmöglichten ihm dies, denn die Schweizer Behörden hatten ihn im Schengener Informationssystem als Kriminellen eintragen lassen, worauf die Deutschen ihm – trotz deutscher Ehefrau – vorerst keine Aufenthaltserlaubnis erteilten. Er sah nun alle Felle davon schwimmen und verlor die Fassung, denn «ich wollte doch in der Nähe der Schweiz und somit auch in der Nähe meiner Kinder bleiben», erklärte er dem Richter.

Mehr Schaden als Beute

Die Einbrüche in Einfamilienhäuser, Schulen und Gewerbebauten habe er getätigt, um den Kindern Geschenke zu kaufen und sich selbst über Wasser zu halten, sagte der Angeklagte vor Gericht. Dabei war der Grossteil der Taten alles andere als professionell ausgeführt: Der verursachte Sachschaden war oft grösser als die Beute, die sich im Durchschnitt auf gerade mal 800 Franken belief.